Tagesausflug Norddeutsches Museum für Industriekultur

„Was ist denn die Nordwolle und was sollen wir da??“

 

Am 4. September fragten sich dies sicher einige Schülerinnen und Schüler des 9. Jahrganges, als wir um 7:30 in zwei Busse stiegen und losfuhren. Sie wussten lediglich, dass wir aufgrund unseres GL-Themas „Industrielle Revolution“ einen Ausflug machen. Die Fahrt führte uns an Oldenburg vorbei nach Delmenhorst zu einem großen Gelände aus roten Backsteingebäuden. Vor Ort haben sich die rund 110 Schülerinnen und Schüler aufgeteilt.

Die eine Gruppe machte zunächst einen 20minütigen Erkundungsgang durch die Delmenhorster Innenstadt zur sogenannten Burginsel. Diese Burginsel gehört zu den schönsten Grünanlagen im Nordwesten Deutschlands. Im Schatten der Bäume entdeckten wir einige Fundamentsteine des gräflichen Schlosses, die man bei archäologischen Grabungen ans Licht holte. Die einstige Burg wurde ab dem Jahr 1247 auf Geheiß von Graf Otto von Oldenburg als Sitz der Delmenhorster Grafen erbaut. Im Lauf der Jahrhunderte und vielzähliger Um- und Anbauten entstand daraus ein prächtiges Schloss. Während der dänischen Zeit wurde es aber 1711 abgerissen. Ein Bronzeschlossmodell vor dem Zugang zur Burginsel zeigte uns, wie die Anlage einmal ausgesehen hat.

Von dort ging es dann über den Rathausplatz zurück in die Fußgängerzone. Dort konnten die Schülerinnen und Schüler für einen kurzen Moment innehalten, ein wenig shoppen oder sich etwas zum Essen kaufen. Dann ging es zurück zum Ausgangspunkt, den Backsteingebäuden, deren Bedeutung ja nun noch zu klären war.

Zu diesem Zweck bekamen wir nun hier in drei kleineren Gruppen je eine ortskundige Mitarbeiterin an die Hand. Und los ging es!

Wir waren also im sogenannten Nordwolle-Museum angelangt. Im Laufe der Führung erfuhren wir, dass wir uns auf der ehemaligen Fabrikanlage der „Norddeutschen Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei“ befanden und diese zu den größten Industriedenkmälern Europas zählt. 1884 wurde diese Fabrik von der Bremer Unternehmerfamilie Lahusen gegründet und wuchs bis in die 1920er Jahre zu einem weltweit bekannten Textilkonzern. 1981 wurde die Fabrik allerdings stillgelegt. Der Schwerpunkt der Führung lag aber vor allem auf der Darstellung der Arbeitsbedingungen der vielen jungen Frauen und Männer zur Zeit der Industrialisierung. Wir konnten eindrucksvoll nachempfinden, unter welchen Bedingungen die Arbeiterinnen und Arbeiter an den riesigen und vor allem lauten Maschinen dort gearbeitet, gelebt und gewohnt haben müssen.

Bei einem Spaziergang durch die Außenanlage des Nordwolle-Geländes wurde uns aufgrund der Architektur deutlich, wie groß auch die Schere zwischen der reichen Unternehmerfamilie und den vielen hunderten Arbeiterinnen und Arbeitern war. Während die Lahusen-Familie in einer großen weißen Villa mit angeschlossener Parkanlage residierte, lebten die Arbeiterinnen und Arbeiter in nach Geschlechtern getrennten abgelegenen Wohnblocks.

Nach dieser sehr interessanten und lebhaften Führung stieg der 9. Jahrgang um 12:30 wieder in die Busse, um zurück nach Zetel zu fahren und dort an der zweiten Tanzstunde für den Jahrgang teilzunehmen.

 

Text und Bilder: Laura Vollquardsen